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Wohnen zwischen den Kriegen.
Wiener Möbel 1914–1941

Wer hat diese Möbel in Auftrag gegeben? Wer hat mit ihnen gewohnt und wie lange? Wie fanden die Möbel ihren Weg ins Hofmobiliendepot? Was wurde aus den Designern und Architekten, die sie entworfen haben?

Die Schau widmet sich Fragen wie diesen und macht mit Lebensläufen und Einrichtungsgegenständen Zeitgeschichte lebendig. Der Wohnstil im Wien der Zwischenkriegszeit unterschied sich deutlich von jenem der internationalen Moderne, wie er etwa vom Bauhaus propagiert wurde. Prominentes Beispiel ist die von Ernst Plischke für die Keramik-Künstlerin Lucie Rie eingerichtete Wohnung aus dem Jahr 1928, ein Highlight der Sammlung. Gezeigt werden außerdem komplette Wohnungseinrichtungen von Gestaltern wie Felix Augenfeld, Josef Frank, Wilhelm Foltin, Johann Vinzenz Kabele, Walter Loos, Otto Prutscher, Margarete Schütte-Lihotzky, Franz Schuster und Oskar Strnad.

Die Formenvielfalt, die Liebe zum raffinierten Detail und die handwerkliche Qualität des Wiener Möbelbaus werden anhand ihrer Arbeiten sichtbar gemacht. Bequemlichkeit und Individualität hatten damals Vorrang vor Repräsentation. Die Persönlichkeiten und Schicksale der Auftraggeber stehen in dieser Ausstellung jedoch ebenso im Mittelpunkt wie die der Architekten.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich im März 1938 waren viele von ihnen der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt. Die Hälfte der ausgestellten Architekten musste emigrieren, zwei der neun vorgestellten Wohnungsbesitzer waren von der Arisierung betroffen.

Ein gesonderter Bereich widmet sich dem sozialen Aspekt des Wohnens im Roten Wien am Beispiel der Siedlerbewegung und der Gemeindebauten. Der Fokus liegt auf einem Siedlungshaus von Margarete Schütte-Lihotzky und der eingerichteten »Kleinstwohnung« von Franz Schuster. Zur Ausstellung ist im Böhlau Verlag ein Katalog erschienen. Siehe auch www.hofmobiliendepot.at.


Ernst Plischke: Blumentisch aus der Wohnung Fritz und Elli Gamerith, 1928
Ernst Plischke: Blumentisch aus der Wohnung Fritz und Elli Gamerith, 1928
Otto Prutscher: Luster um 1925
Otto Prutscher: Luster um 1925